Der Podcast zu sozialen Themen der Caritas in NRW
00:00:00: Wie verzweifelt müssen Menschen sein, die sich das Leben nehmen?
00:00:05: In Deutschland sind es jedes Jahr über zehntausend Menschen.
00:00:08: Die Dunkelziffer der Suizidversuche dürfte zehn bis zwanzigmal höher sein.
00:00:12: Das bedeutet dass es circa ein hunderttausend Suizide Versuche jährlich gibt.
00:00:17: Jeder Suizit betrifft andere Menschen direkt oder indirekt.
00:00:23: Neure Zahlen gehen von bis zu einhundertfünfunddreißig Betroffenen Angehörigen aus Familie, Freunde, Kolleginnen.
00:00:32: In Deutschland sterben mehr Menschen an Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten, illegale Drogen und AIDS zusammen.
00:00:56: Gerade habe ich eine sehr bewegende Veranstaltung anlässlich des Welttags der Suizidsprävention am zehnten September besucht.
00:01:04: Der Titel Gemeinsam Leben stärken.
00:01:07: Die Caritas Gelsenkirchen, oder besser gesagt U-Twenty, das ist die Mailberatung für suizidale junge Menschen, die Essener Telefonseilsorge und ihr Förderverein So wie der Verein Suizidprävention Gelsenkirchen, hatten gemeinsam zu dieser Gedenkveranstaltung in der Essener Marktkirche eingeladen.
00:01:29: Diese richtete sich an Angehörige von Menschen die durch Suizide verstorben sind... ...an Menschen mit suizidalen Gedanken und an professionell oder ehrenamtlich Helfende!
00:01:41: Ich
00:01:41: spreche mit drei Menschen, die dabei waren.
00:01:44: Mit Selin.
00:01:45: helfen Sie mir bei Ihrem Nachnamen bitte.
00:01:48: Dankeschön.
00:01:49: Sie sind Fachkraft bei U-Twenty der Mehlberatung für Suizidale junger Menschen in Gelsenkirchen, richtig?
00:01:56: Genau!
00:01:57: Herzlich willkommen.
00:01:58: Vielen Dank.
00:01:59: Ich spreche mit Chantal Abt Hallo.
00:02:01: Hallo herzlich Willkommen.
00:02:03: sie sind Leiterin des Teams Suizitprävention im Fachbereich Kinder Jugend und Familie Der Caritas Gelsenkirchen
00:02:10: genau
00:02:11: Und ich spreche Mit Michael Denzin vom Förderverein Esner Telefonseelsorge.
00:02:17: Hallo!
00:02:18: Ja, herzlich willkommen Ihnen rein.
00:02:20: Wir haben ja gerade gemeinsam diese Veranstaltung erlebt die hier in der Markkirche war.
00:02:25: Wie haben Sie diese Veranstalten erlebt?
00:02:27: Wer hat gesagt Michael, wer hat gesagt wir nutzen
00:02:31: uns?
00:02:33: Ich habe die jetzt sehr bewegend erlebt.
00:02:35: jedes Mal berührt es mich die Menschen zu sehen, die auch durchaus Tränen haben Weil sie hat an verstorbene Denken, die durch Suizid verstorben sind.
00:02:45: Und ich finde es spannend, weil wir hier so eine neue Kooperation aufmachen.
00:02:50: Ich bin froh, dass wir dieses Jahr das mit der U-Fivem-Zwanzig machen konnten.
00:02:54: U-fivem zwanzig ist dieses Jahr dabei, weil der Welttag der Suizideprävention am zehnten September hat ja auch diesen Schwerpunkt dieses Jahr!
00:03:03: Es geht um junge suizidale Menschen und wer könnte dazu besser etwas sagen als Du, Chantal?
00:03:11: Oder Selim.
00:03:13: Ihr seid die treibende Kraft hinter U-Twenty.
00:03:17: Vielleicht müssen wir für unsere Hörer einmal ganz kurz erklären was ist U-twenty?
00:03:20: ich habe es zwar eben schon gesagt Es ist die Mailberatung für suizidale junge Menschen.
00:03:25: aber das sind nur drei Worte und ich glaube Wir brauchen ein bisschen mehr Erklärungen.
00:03:28: Was macht ihr?
00:03:30: Ja, sehr gerne.
00:03:31: Also bei uns können sich junge Menschen melden die in Krisen stecken, die suizidale Gedanken haben und die werden per Mail beraten.
00:03:39: Das Besondere ist das Gleichaltrige-Gleichaltricheberaten,
00:03:42: d.h.,
00:03:43: wir arbeiten nach dem Peer-Konzept.
00:03:45: Und unsere Piers sind im gleichen Alter also sie sind auch zwischen sechzehn und fünfundzwanzig Jahre alt was einfach bewirkt dass es eine Beratung auf Augenhöhe ist und man ganz viele Hemmschwellen runter setzen kann.
00:03:59: Ergänzung?
00:03:59: Ja, Ergänsung.
00:04:00: Neben U-二undzwanzig haben wir mittlerweile auch einen Vorortangerot aufgebaut.
00:04:05: Das heißt seit einem Jahr gibt es auch Lebenslicht und das ist eine Beratungsstelle die sich auch an junge Menschen richtet bis sieben zwanzig Jahren aber auch deren Bezugspersonen und der Hauptfokus ist auch dort die Suizidprävention.
00:04:19: D.h.,
00:04:19: wir haben aus der Mailberatung noch mal das Ganze erweitert und bieten jetzt eben auch die vor Ortberatungen an.
00:04:26: Und das kann ich nach einem Jahr schon sagen sehr gut angenommen, es schließt eine Lücke im System.
00:04:31: Gerade junge Menschen die nicht sofort den Zugang einem psychotherapeutische Angebot finden haben hiermit wirklich noch mal eine sehr hilfreiche und kostenfreie vertrauliche Anlaufstelle
00:04:42: gefunden.".
00:04:43: Ich gehe mir davon aus dass ihr nicht nur für Gelsenkirchen arbeitet oder?
00:04:46: Genau also U-Von-Zwanzig ist ein bundesweites Angebot.
00:04:49: das heißt da können sich alle jungen Menschen von überall melden Und werden dann von irgendeinem Standort beraten.
00:04:56: Das wird per Zufall ausgewählt und auch Lebenslicht ist nicht nur für Gelsenkirchen da, sondern auch für die umliegenden Städte.
00:05:02: Das heißt auch Essener oder Habotropa oder Bochumale, die so herkommen können dürfen die Beratung
00:05:08: in Anspruch nehmen.
00:05:08: Also da gibt es schon den regionalen Bezug weil das eine Face-to-Face-Beratung.
00:05:13: Richtig!
00:05:14: Ich habe große Hochachtungen vor den Menschen in der Telefonsälsorge engagieren.
00:05:20: Ja, es sind ja viele Themen die da am Telefon besprochen werden.
00:05:24: Themen, die hat alles betreffen nicht nur Suizid aber auch.
00:05:28: Es ist aber sehr viel Einsamkeit dabei.
00:05:30: Es sind psychische Erkrankungen Es sind Eitersbegleitung.
00:05:34: Das ist als mögliche was da reinkommt an den Telefonern.
00:05:37: Stichwort psychische erkrankung.
00:05:39: Ich habe eben mit einem Gast ihrer Veranstaltung gesprochen und Die hat eigentlich gesagt, dass man fast schon sagen kann, dass jeder der sich mit Suizid gedanken.
00:05:50: Also nicht wer nur einmal dran denkt sondern also wer praktisch sich damit häufiger belastet.
00:05:56: ich sag jetzt mal so weil mir kein besseres Wort einfällt das da eine psychische Beeinträchtigung vorliegt.
00:06:02: ist das so?
00:06:03: Es ist tatsächlich häufig so, dass psychische Erkrankungen vorliegen.
00:06:08: Aber was wir in der Suizidprävention ganz klar sagen, ist dass die psychische Erkrankung nicht die Ursache für die Suizitgedanken sein muss.
00:06:15: Denn Suiziggedanken sind immer multifaktoriell also es gibt nie die eine Ursache die dafür sorgt das man Suizide Gedanken hat sondern es ist immer ein Zusammenspiel von sozialen emotionalen Dingen die man von der Persönlichkeit her mitbringt aber auch eben psychischen Erkrankungen die ja sehr belastend seien können.
00:06:31: und demnach genau finden wir das auch immer sehr wichtig zu betonen dass es nicht nur psychische erkrankungen sind und das erklärt Warum niedrigschwellige Hilfen, wie wir sie bei der Telefonseelsorge oder auch bei U-Von-Zwanzig und Lebenslicht haben funktionieren?
00:06:44: Kann
00:06:45: ich übrigens so bestätigen.
00:06:46: am Telefon ist es auch so dass man halt eben oft dann das Gespräch hat.
00:06:50: Ich möchte dieses Leben nicht mehr leben weil es hat viele Faktoren hat.
00:06:54: Das ist nicht nur unbedingt eine psychische Erkrankung.
00:06:57: Das kann damit rein spielen.
00:06:58: aber es kann auch sein dass jemand sehr einsam ist.
00:07:02: im Grunde und auch das kann dazu führen man denkt, man darf nicht mit Angehörigen drüber sprechen, dass man sich einsam führt.
00:07:12: Mit Angehöringen drüber sprechen oder Haupt darüber sprechen?
00:07:15: Ich habe mich ein bisschen versucht schlau zu machen auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention und da war für mich einen ganz zentraler Bereich dabei.
00:07:24: wenn Sie das merken, dass jemand solche Gedanken äußert, sprechen sie es offen an und gehen sie ins Gespräch.
00:07:34: Und ich hab mir gefragt, wow das ist ein dickes Brett.
00:07:36: Weil ein Gespräch zu führen mit jemandem der diese Gedanken hat, da kann man doch verdammt noch mal viel falsch machen oder?
00:07:44: Eigentlich nicht.
00:07:45: Weil das Wichtige ist, dass Menschen spüren, dass jemand da ist und man das mit denen aushält.
00:07:51: Und deswegen betonen wir auch immer wieder wie wichtig es ist, mit Menschen darüber zu sprechen, sie danach zu fragen weil nur so findet man raus ob sie daran denken, anders würde man das ja gar nicht herausfinden.
00:08:02: Wir wissen aus der Forschung, dass es eben nicht so ist, die Menschen deshalb auf die Idee bringen sondern wir wissen, dass sich sie entlastet und sie dann eher auch das Gespräch mit uns suchen.
00:08:10: Das ist genau das was wir wollen.
00:08:13: ein Gespräch kann Leben retten.
00:08:15: Und das ist auch wirklich so, wenn wir mit Menschen darüber sprechen, entlassen wir sie und deswegen sollten wir viel häufiger Menschen danach
00:08:22: fragen."
00:08:23: Gibt es Anzeichen die einen aufhorchen lassen sollten?
00:08:26: Was sind so typische Anzeiche dafür dass jemand eine Selbsttötung
00:08:31: beabsichtigt?".
00:08:32: Das kommt natürlich ganz stark auf die Person an aber ich würde sagen Es gibt eine Reihe von Merkmalen die man schon beobachten kann.
00:08:40: also wenn man eine Person kennt dann ist es vor allem die Veränderungen des Verhaltens, ob das jetzt die Essgewohnheit ist oder jemand ist auf einmal ständig müde, schläft nicht mehr so gut.
00:08:50: Geht vielleicht nicht mehr zur Schule wenn wir über junge Menschen sprechen zieht sich zurück isoliert sich eher meldet sich vielleicht aus dem Fußballverein ab oder wie auch immer.
00:08:58: also diese Veränderung des Verhaltenes kann schon ein Wahnsignal sein.
00:09:03: es gibt natürlich da muss man unterscheiden zwischen Wahnsignalen, die welche sein können aber nicht müssen und eben zwischen denen, die tatsächlich sehr ernst zu nehmen sind wie beispielsweise ein Abschiedsbrief oder also solche praktischen Vorbereitungen beispielsweise.
00:09:17: Die tatsächliche Äußerung einer Absicht Handlungsabsicht da muss man natürlich differenzieren.
00:09:22: Aber grundsätzlich glaube ich braucht es einfach das Bewusstsein dafür dass auch hinter einem Jahr mir geht's gut auf die Frage Wie geht's dir?
00:09:29: Ja viel mehr stecken kann was man da ins Gespräch geht und nachfragt.
00:09:34: Und das erleben Sie tatsächlich auch in der U-Twenty-Mailberatung.
00:09:39: Bei Mail ist ja immer noch das Problem, man hört nicht die Tonalität, die dahinter steht.
00:09:43: Man kann also nur sozusagen anhand der Buchstaben irgendwie was reininterpretieren!
00:09:48: Wie machen sie das?
00:09:49: Ich muss sagen, dass sehe ich als ganz großen Vorteil unserer.
00:09:52: Beratungsstelle, weil es eben so niedrigschwellig ist.
00:09:56: Es ist auch komplett anonym.
00:09:57: die Menschen sitzen zu Hause vielleicht in ihrem Zimmer wo sie sich wohl fühlen schreiben ihre Gedanken auf und brauchen auch keine Angst zu haben vor Konsequenzen, weil das eben anonymen ist also nicht nur auf ratssuchenden Seite sondern auch auf pierberater innen seite.
00:10:10: Auch Die Ehrenamtlichen schreiben unter einem Pseudonym beispielsweise Und dadurch besteht gar nicht die Möglichkeit dass wir beispielsweise den RTV vor die Tür schicken Weil wir nicht wissen wer die Personen sind wo sie herkommen.
00:10:22: Also ich glaube, dass senkt die Hemmschwelle nochmal enorm wirklich von Suizidgedanken zu sprechen bzw.
00:10:29: zu schreiben.
00:10:30: in unserem Fall genau und das ist oft der erste Raum, wo die Menschen über diese Gedanken sprechen können weil es leider nach wie vor sehr stark stigmatisiert und tabuisiert ist.
00:10:41: Stigmatisiert und tabuisiert.
00:10:43: Ich habe verschiedene Websites gelesen, das stand dann sinngemäß.
00:10:46: wir müssen dafür sorgen dass dieses Thema aus der Tabuzone kommt Aus der gesellschaftlichen politischen.
00:10:53: wie soll man das denn machen?
00:10:55: Ich
00:10:56: denke wir brauchen auf jeden Fall mehr Öffentlichkeitsarbeit.
00:10:59: Wir brauchen einen guten Rahmen dafür.
00:11:01: Das ist ganz wichtig.
00:11:03: Wir versuchen das natürlich auch immer wieder, indem wir beispielsweise morgen eine größere Veranstaltung auf der Zeche Zoll vereinhaben werden.
00:11:11: Wo wir einen Forum bieten für Fachkräfte betroffene Hinterblieben, Lehrkräfte und Interessierte – wo wir über das Thema sprechen?
00:11:19: Und das tun wir in dem Rahmen sehr suizidpräventiv.
00:11:23: Das heißt da gibt es ein paar Dinge die wir beachten sollten.
00:11:25: Wir sollten beispielsweise nicht über detaillierte Suizide sprechen wie sie genau passiert sind.
00:11:33: und versuchen immer auch ein Stück weit Hoffnung zu geben.
00:11:36: Und Hilfen aufzuzeigen, um das Thema einfach nochmal besprechbarer zu machen!
00:11:41: das Thema besprechbar machen, aber nicht indem man Fälle erzählt?
00:11:46: Also wir können von Fällen berichten.
00:11:48: Aber wir tun das in dem wir den Papagenoeffekt für uns nutzen.
00:11:52: Der wird in der Forschung beschrieben und er sagt aus dass wir Geschichten hoffnungsvoll verbreiten.
00:11:57: Das heißt Wir erzählen von Menschen die es geschafft haben eine Krise zu überwinden Und wir erzählen vielleicht auch wie sie's geschafft
00:12:03: haben.
00:12:04: Das ist das was Suizid präventiv isst Es eher nicht günstig und da würden wir dann den Werther-Effekt bespielen.
00:12:10: Das ist der Gegenteiligeffekt, wenn wir darüber berichten wie eine Person zum Beispiel eine prominente Person ganz detailliert gestorben ist.
00:12:18: das ist etwas was einfach wo wir wissen da gibt es nacharmungseffekte.
00:12:22: je detailler man über die personen berichtet je mehr identifikationspotenzial man bietet desto eher gibt es Nacharmungseffekte.
00:12:29: Stichwort Hoffnung geben das ist natürlich auch eine sache die Für mich die höchste Kunst ist unter Umständen in der Telefonseelsorge.
00:12:39: Ja,
00:12:40: genau!
00:12:40: Dass man immer auf ihr sagt es kann nochmal anders werden.
00:12:44: Aber es kann auch sein, dass man Menschen begleitet bei den sozialen Gedanken und sagt halt eben jetzt sind sie am Telefon.
00:12:52: Und der Schritt bleibt nicht ungenommen.
00:12:55: das können Sie immer machen.
00:12:56: aber jetzt telefonieren wir erst einmal.
00:12:58: Jetzt sind wir hier und das hilft oft auch, dass da die Menschen davon wegbekommen.
00:13:03: Aber
00:13:03: so ein Gespräch kann ja dann auch echt fordernd werden!
00:13:08: Also ich meine ja immer noch... Man kann da wahrscheinlich auch einiges falsch machen oder?
00:13:14: Nein, gar nicht so viel tatsächlich.
00:13:16: Das Allerwichtigste ist wirklich da zu sein die Person ernst zu nehmen Nicht zu bagatellisieren das nicht runterzuspielen und dass Wie Michael schon sagt, ernst zu nehmen was man da hört.
00:13:27: Weil das ist einfach das, was wir immer wieder hören und was Betroffene sagen wenn sie das ihrem Umfeld anvertrauen dass das Umfeld entweder total überfordert ist oder es auch sehr runter spielt und sagt ach mach's ja je nicht.
00:13:40: Und das sind Dinge die nicht hilfreich sind.
00:13:42: Es ist hilfrecht, dass man dem Betroffenen zuhört dass mir sie ihn aushält.
00:13:47: Und dann ist es auch oft so, dass allein dadurch schon die Gedanken etwas leiser werden weil Sie merken, Sie sind damit nicht alleine und da ist einfach jemand der das mit ihnen trägt.
00:13:57: Wenn ich in einem solchen Bereich arbeitete wie ihr Dann hat man ja unter Umständen auch mal ein Misserfolg.
00:14:04: also Ich will damit sagen, dass tatsächlich dann doch dieser Mensch sich tötet.
00:14:09: Wie gehe ich damit um?
00:14:10: Was kann ich im Sinne der Selbstsorge tun, damit ich damit klarkomme?
00:14:15: Ja, absolut.
00:14:16: Also wenn man bei uns beim EU-Fundzwanzig die Ausbildung macht dann lernt man auch... hat man einen Block zur Abgrenzung.
00:14:23: natürlich also für uns ist es natürlich wichtig und selber auch klar zu machen dass wir letzten Endes nicht für das Leben anderer verantwortlich sind.
00:14:31: Wir können nur bis zu einem bestimmten Punkt helfen.
00:14:34: Und das tun wir auch und unterstützen auch, und wir sagen da immer ganz gerne Wir fühlen mit aber wir leiden nicht mit und ich glaube dass ist etwas was man verinnerlichen muss was mit Sicherheit auch ein bisschen Übung braucht
00:14:46: Aber
00:14:46: was einem selber finde ich auch ganz viel geben kann um eben bestmöglich für die Ratsuchen in dem Moment dazu sein weil es eben nicht primär um uns geht vielleicht in den moment
00:14:58: Und ergänzend wahrscheinlich wird es ja auch bei euch so sein, dass es ja Supervisionen gibt.
00:15:02: Dass man hat eben für den Dinger einen doch belasten weil man eine eigene Geschichte und das gibt immer auch Themen die hat die eigene Historie berührt hat im Grunde, dass man dann halt in Supervision darüber sprechen kann was er's mit einem gemacht hat des Gesprächs und dann halt eben weitere Hilfestellungen zu bekommen um besser mit Themen umzugehen.
00:15:23: Also man hat sozusagen ein Backup wenn man eine kollegiale Beratung
00:15:28: braucht.
00:15:28: Ganz genau, absolut!
00:15:30: Super wichtig.
00:15:33: ich erlaube mir mal zwei Zitate zu bringen von Pressemeldungen zum morgigen Tag der Suizidprävention und zwar die Kerritas für die Ärztdiözese Köln, der Direktor Frank-Johannes Hänsel sagt Die Bundesregierung hat mit einer geplanten Bundesfachstelle und einer Krisennotrufnummer wichtige Signale gesetzt, doch damit nicht genug.
00:15:59: Erforderlich sind politische Klarheit eine nachhaltige Finanzierung und der gezielte Ausbau niedrigschwelliger Hilfsangebote wie die digitale Peer-Beratung von und für unterfemmen Zwanzigjährige U-Femmenszwanzig sowie eine stärkere Hospiz und Palliativversorgung um zum Beispiel älteren Menschen Ängsten verleiht und ausgeliefert sein zu
00:16:23: begegnet.".
00:16:25: Würden Sie das so unterschreiben?
00:16:27: Absolut.
00:16:28: Ja, also das Gesetz bildet eine ganz gute Grundlage wenn es denn überhaupt so durchgeht.
00:16:32: Das ist ja erstmal noch die Frage aber es fehlt einfach wirklich an der finanziellen Hinterlegung.
00:16:38: da fehlt ganz viel.
00:16:39: wir würden uns auf jeden Fall wünschen von der Politik dass das Thema noch stärker ernst genommen wird weil es einfach die gesamte Gesellschaft betrifft.
00:16:48: es zieht sich durch alle gesellschaftsschichten und es sind alle altersstufen davon betroffen.
00:16:54: Du hast ja gerade auch die erhoch-altrigen Menschen angesprochen.
00:16:57: Das ist eben auch nochmal eine sehr wichtige Zielgruppe, auch wenn wir heute vor allem über junge Menschen sprechen und deswegen brauchen wir einfach noch mal viel mehr.
00:17:05: Und da würden wir uns wirklich wünschen dass die Politik noch ein bisschen mehr tut.
00:17:09: Ich setze nur einen drauf nämlich von der Präsidentin des deutschen Chariters, Frau Manns Eva Marie-Welskorb-Defa.
00:17:16: Sie appelliert an die Politik, ein Suizidpräventionsgesetz auf den Weg zu bringen – so ähnlich wie du es gerade schon gesagt hast -, dass einen umfassenden und auch verschiedene Zielgruppen bezogenen Ansatz verfolgt.
00:17:29: Suizideprävention muss den Lebenssmut aller Stärken älterer und jüngerer Menschen mit ihren verschiedenen Bedürfnissen.
00:17:37: Alte Menschen, die sich in ihrer Wohnung einsam und verlassen fühlen können ebenso wie junge Menschen die zum Beispiel von ihren Schulfreundinnen gemobbt werden, ihre Depressionen verheimlichen.
00:17:50: Kommt man stehen lassen, oder?
00:17:51: Ja.
00:17:52: Einverstanden?
00:17:53: Ach
00:17:54: so.
00:17:55: Michael?
00:17:56: Ja
00:17:56: also ja auch die Finanzierung muss hier auch geklärt sein.
00:17:59: im Gesetzentwurf ist ja wenig dazu gesagt wie das ganze finanziert werden soll und ich umsonst haben wir Fördervereine um halt Fortbildungen halt auch zu ermöglichen auf Spendenbasis und das kann ja nicht nur Aufgabe der Menschen sein sondern es müssen auch die Aufgabe Politik sein eine Finanzierung zu ermüglichen
00:18:19: Ergänzungen.
00:18:20: Ich möchte noch betonen, ich finde auch es muss leichter zugänglich sein Hilfe bei Suizidgedanken zu bekommen als Hilfe beim assistierten Suizit und das ist in Deutschland gerade möglicherweise an der ein oder anderen Stelle einfacher.
00:18:36: deshalb Es ist wichtig, dass wir flächendeckende Suizidpräventive niedrigschwellige Angebote haben in allen Facetten.
00:18:43: So wie sie es auch benannt hat, einfach ziehgruppenspezifisch damit wirklich jeder Mensch die Hilfe findet, die er braucht bevor er diesen Entschluss
00:18:51: fasst.
00:18:52: Danke für den Hinweis.
00:18:53: ich wollte das Thema extra nicht aufmachen,
00:18:55: assistierter
00:18:56: Suizide weil da kann man natürlich noch fünfzehn Podcastepisoden drüber machen.
00:19:02: herzlich gerne aber nicht in dieser Episode.
00:19:07: Ich bin ein großer Freund der Wunderfrage.
00:19:10: Wenn ein Wundergescheher und die Welt morgen eine bessere wäre in Bezug auf euer Thema, was wäre anders?
00:19:23: Ist ne schwere Frage glaube ich, ne?
00:19:26: Ich glaube es sollte noch viel normaler sein über psychische Gesundheit oder psychische Belastung zu sprechen.
00:19:32: also ich muss sagen Es ist schon viel passiert in den letzten Jahren.
00:19:34: einfach dass Thema grundsätzlich noch mehr in das Bewusstsein der Leute gerückt ist, aber da muss natürlich viel mehr passieren.
00:19:41: Ich finde es auch wichtig – haben wir jetzt schon niedrigschwellige Angebote gesagt!
00:19:47: langfristig auch bestehen bleiben können, dass die verstetigt werden.
00:19:51: Dass die Unterstützungslandschaft einfach noch mehr wächst – ich meine letzten Endes braucht jeder Mensch etwas anderes und es ist gut so und das ist richtig so.
00:19:59: aber die Unterstützungslandschaft muss meiner Meinung nach noch größer werden, noch breiter aufgestellt sein, verstetigt sein, da muss auf jeden Fall noch viel passieren.
00:20:10: Also wenn du jetzt so nach einer Wunderfrage aufbringst, dann wäre ein schönes Wunder, wenn es schon den Schulen das Fach Empathie geben würde.
00:20:22: Um da schon zu lernen, dass Gefühle normal sind und man akzeptiert, dass andere Menschen andere Gefühler haben die ich nicht unbedingt teile aber dem Menschen ein-to-akzeptiere.
00:20:34: Dass er so ist wie er ist im Grunde.
00:20:36: Das wäre ein guter Schritt in die Richtung.
00:20:39: halt
00:20:40: Du hast es geschafft, mir eine Gänsehaut zu verpassen.
00:20:42: Das war ein sehr, sehr schönes Statement!
00:20:44: Das wäre jetzt eigentlich schon ein Schlusswort, würde ich fast sagen...
00:20:49: Ich hätte aber auch noch was auf die Hunde.
00:20:50: Moment!
00:20:52: Aber ich würde mich anschließen.
00:20:53: also ich finde auch das Thema in der Schule ... Einfach das Schulsystem ist, finde ich für junge Menschen nicht unbedingt immer das was sie brauchen.
00:21:05: Also dreifach integrale zu lernen wenn ich über die Vorständen der DGS zitieren darf.
00:21:09: Die sagt das immer wieder dass es nicht das was die jungen Menschen brauchen sondern sie bräuchten im Idealfall Lebenskompetenz Und deswegen kann ich das nur unterstreichen.
00:21:18: Ich finde, die bräuchten ganz andere Dinge als eben das was eigentlich gelehrt wird.
00:21:22: und gleichzeitig möchte ich auch noch mal sagen weil ich glaube dass war vielleicht auch gerade bei uns dreien so ein Gefühl also sagt es Wunder.
00:21:29: und wenn nicht an einen wunder denke dann würde ich mir natürlich irgendwie wünschen dass wir weniger Suizide hätten.
00:21:33: aber irgendwie haben wir uns alle nicht getraut das auszustellen
00:21:36: obwohl
00:21:37: das ja eigentlich unser wund wäre dass weniger Menschen diesen entschluss fassen und eine Perspektive für ihr Leben sehen.
00:21:44: Und deswegen ist das tatsächlich eigentlich auch mein Wunsch.
00:21:47: Man könnte schon fast sagen, dass mehr Menschen die sich mit diesem Gedanken tragen, Hilfe in Anspruch nehmen.
00:21:53: Genau!
00:21:54: Sich an euch wenden.
00:21:55: U-Twenty Telefonseelsorge und es gibt noch ein paar andere... ...die in dem Feld unterwegs sind.
00:22:03: Ich danke Euch für das sehr, sehr anregende Gespräch.
00:22:07: ich
00:22:07: sprach mit...
00:22:09: Chantal Abt
00:22:10: Selenia Sejola
00:22:11: Michael Denzin.
00:22:13: Ich danke euch!